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Praktisch-methodische Ratgeber-
Bücher von Eva Zoller Morf

 
N E W

Ausführliche Inhaltsangaben und
und Rezensionen zu den drei Titeln


Selber denken macht schlau (2010)   |   Die kleinen Philosophen (vergr.)  |   Philosophische Reise (vergr.)

Eva Zoller Morfs drittes Buch zur Kinderphilosophie (pdf)
ist beim Zytglogge Verlag bereits in 3. Auflage erschienen!

     

 

PS: Seit 2019 gibt es davon eine chinesische Übersetzung von Sabine Yang in Hangzhou, China!

Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen

Anregungen für Schule und Elternhaus
 

Hier können Sie das Buch beim Käuzli bestellen

Das dritte Buch von Eva Zoller Morf ersetzt ihren Erstling, "Die kleinen Philosophen" der (auf Deutsch) seit längerem ausverkauft ist. (Polnische und estnische Ausgaben sind noch lieferbar.) Auch der zweite Titel, die "Philosophische Reise", ist nur noch antiquarisch auffindbar.

Um diese Themen geht es im dritten Buch  "Selber denken macht schlau" :

Teil 1: Kinderfragen und Bilderbücher zu philosophischen Gesprächen nutzen.
           Neu ist dabei vor allem ein Kapitel mit dem Titel: So philosophieren die Kinder in Hawai'i

Teil 2: Moralischen Erziehung "auf Philosophisch" - Wie Kinder im Schulalter über Wünsche, Regeln, 
           Streiten, Ängste und Mut und über Gerechtigkeit nachdenken

Teil 3: Religiöse Fragen philosophisch angehen - Wie können wir mit Kindern und Jugendlichen 
           über Leben und Tod, über Gott und die Seele, über Lebenssinn und Identität philosophieren?

"Staunen Sie mit mir über die Fülle und Tiefe der Gedanken, zu denen Kinder und Jugendliche fähig sind, wenn man sie ihnen bloss zutraut!" 


Auszüge aus zwei Rezensionen zum dritten Buch

von Mechthild Ralla, Aachern und
Barbara Brüning, Hamburg,
beides selber langjährig praktizierende Kinderphilosophinnen in Deutschland:


Mechthild Ralla:

... Der Anspruch ist hoch: es geht um eine Anwendung einer „philosophischen Pädagogik“.

Die Frage eines Kindes „warum kann ich das nicht haben?“ wird erst einmal als Frage von Erwachsenen an sich selber verstanden: wie berührt sie/ihn diese Frage? Wie könnte die Frage gemeint sein? Wie kann man sich zu dieser Frage verhalten? – Vielleicht „aus dem Bauch heraus“, aus zeitgenössischen, religiösen, kulturellen Richtungen – sie könnten aber auch erst einmal nicht antworten, sondern zurückfragen und womöglich ein Gespräch beginnen, mit dem Ziel des Selberdenkens auf beiden Seiten. Ist das Philosophieren?
Im Gespräch werden zunächst „kleine“ Fragen (d.h. Wissensfragen) von „großen“ Fragen (zu denen „niemand die Antwort weiß“) unterschieden. Solche „großen“ Fragen werden in diesem Buch thematisiert. Die angemessene Verhaltensweise solchen Kinder-Fragen gegenüber nennt Zoller „das kleine Philosophieren“. Darunter versteht sie „gründliches, kritisches, kreatives und fürsorglich teilnehmendes Denken“. Die Lehrperson soll darauf achten, dass bei den Erkenntnissuchenden eine Gesprächskultur der Neugier und des gegenseitigen Respekts entsteht. Dazu gehören gemeinsam verabredete Gesprächsregeln, sowie die „Werkzeugkiste der schlauen Denker“ (u.a. Beispiele, Gegenbeispiele, Hinterfragen und Begründen, Annahmen, Folgerungen). Zoller führt als Erläuterung dieses Ansatzes Ausschnitte an aus der Planung und Durchführung solcher Gespräche in Kindergärten und Grundschulen, zusammen mit Anleitungen zur Evaluation als Reflexion.
Die Anregungen zu philosophischen Gesprächen mit Grundschulkindern beginnen bei den Berichten der Erfahrungen der Kinder, die sie mit dem Thema haben, dann folgen Begriffsklärung, Sammlung von Meinungen, differenzierte Begründungen, Vermutungen mit Annahmen und deren Folgen – so wie es in anderen Anleitungsbüchern auch beschrieben ist. Zoller fügt diesem Konzept der Förderung der kritisch-kreativen Denkfähigkeiten das des caring thinking an, des wertschätzenden, teilnehmenden Denkens, und verbindet so die P4C-Ansätze von Lipman, Sharp, Cam mit dem Ansatz „little p – philosophy for children Hawaii“ – p4cH des in Deutschland noch wenig bekannten Thomas Jackson.
An mehreren Stellen stellt Zoller Überlegungen an, inwieweit das Philosophieren in der vorgeschlagenen Weise zu Recht als solches genannt werden darf. Solche Reflexionen sind in Veröffentlichungen zur Kinderphilosophie keineswegs selbstverständlich. Sie zeigen, dass Zoller ihrem Anspruch auf fachlich fundiertes, eben philosophisches, Vorgehen gerecht zu werden anstrebt. Die gerade bei „philosophischen Neulingen“ immer wieder auftauchende Frage nach dem Unterschied zwischen Philosophie und Psychologie etwa wird am Beispiel von Gefühlen wie Angst und Mut im kinderphilosophischen Kontext deutlich gemacht. Zoller stellt die Frage nach dem Allgemeinen, Prinzipiellen von Gefühlen. Sie fordert auf zur Reflexion der eigenen emotionalen Erfahrungen und daraus entstehenden Handlungen, und dies gilt sowohl für Erwachsene wie für Kinder. Gerade in diesem Punkt unterscheidet sich Zollers Buch von den meisten anderen philosophischen Anregungsbüchern. ...
Wie ein philosophisches Gespräch mit zehn- bis zwölfjährigen Kindern zur Erkenntnistheorie aufgebaut sein kann, wird an der Frage „Wie kommt es wohl, dass es so unterschiedliche Geschichten gibt, die vom Anfang der Welt erzählen?“ vorgeführt. ...
Den weiteren typischen Kant-Fragen nach dem, was ich tun soll und was ich hoffen darf, sind ganze Kapitel gewidmet. So finden sich ausgearbeitete Hinweise zu den Themen Gerechtigkeit, Gehorsam, Wahrheit, Religion, Tod und Trauer, Sinn und Identität – jeweils mit kommentierten Angaben zu entsprechenden Kinderbüchern.
Dieses Buch ist Ausdruck kumulierter jahrzehntelanger Erfahrung im Philosophieren mit Kindern und in der entsprechenden Anleitung Erwachsener. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Rezensentin Zollers Anregungen sowohl methodisch wie auch inhaltlich bei Veranstaltungen in Kinderakademien und bei schulischen Projekten überprüft hat und zur Anwendung ohne Einschränkung empfehlen kann.
Der Anspruch, Anregungen zu geben zum Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen unter dem Gesichtspunkt einer philosophischen Pädagogik, besteht in diesem Buch zu Recht.


   

Barbara Brünings Rezension  in der Zeitschrift für Didaktik der Philosophie und Ethik ZDPE 1/2011:

Im ersten Teil ihres Buches thematisiert die Autorin den Unterschied zwischen kleinen und großen (philosophischen) Kinderfragen und gibt Tipps, wie Erwachsene damit umgehen können (S. 30). Ein neuer Aspekt ist hierbei die „Werkzeugkiste des schlauen Denkers“, die auf dem didaktischen Modell des hawaiianischen Philosophieprofessors Thomas E. Jackson basiert, mit dem Eva Zoller in den letzten Jahren zusammengearbeitet hat. ...

Im zweiten Teil des Buches steht das Philosophieren über Werte, Wünsche und Gefühle mit Grundschulkindern im Mittelpunkt. Eva Zoller widmet dabei dem von der kürzlich verstor­benen amerikanischen Philosophin Ann Margret Sharp fokussierten Caring Thinking (fürsorglich teil-nehmendes Denken) große Aufmerksamkeit (S. 66-70). Das Philosophieren mit Kindern soll nicht nur auf die Entwicklung von Denkfähigkeiten abzielen, sondern auch die Emo­tionalität der Kinder wie Einfühlungsvermögen, Mitgefühl und Gerechtigkeitssinn entwic­keln. Seine Bestandteile umfassen wertschätzendes Denken (moralische Sensibilität für Naturereignisse, menschliches Verhalten, Kulturen), affektives Denken (Empathie und Partizipation an Projekten), aktives Denken (Problemlösungskompetenz) sowie normatives Denken (Vergleich von Ist-Zustand und Soll-Zustand). Alle vier Denkformen tragen nach Ansicht von Eva Zoller Morf dazu bei, Kinder anzuregen, nach eigenen Antworten auf wichtige Sinnfragen zu suchen. In diesem Zusammenhang sollten Kinder auch lernen, eine Sprache für ihre Gefühle zu finden. ...
 
Der dritte Teil des Buches beschäftigt sich mit existentiellen Fragen nach Wahrheit, Gott und Tod. Hierzu werden Beispiele praktischen Arbeitens vorgestellt, die sich vorwiegend auf die Klassen 5/6 beziehen. Eva Zoller Morf zeigt beispielsweise Möglichkeiten zur Begriffsarbeit über Seele und Geist (S. 126), sie stellt Gesprächsanregungen (Hebammenfragen) zu den Themen Wahrheit sowie Leben und Tod vor und erklärt anhand des Fünf-Finger-Modells von Ekkehard Martens (die phänomeno-logische, hermeneutische, dialektische, analytische und spekulative Methode), wie mit Jugendlichen über Identität philosophiert werden kann (S. 133/34).
 
Das Buch von Eva Zoller Morf gibt eine anschauliche Zusammenfassung verschiedener aktueller Tendenzen zum Philosophieren mit Kindern, die sich im Wesentlichen an neueren Entwicklungen in den USA orientieren. Es eröffnet vielfältige Möglichkeiten des außerschulischen und fächerübergreifenden Philosophierens im Vor- und Grundschulalter und präsentiert eine Schatzkiste von Kinderbüchern zu den großen Fragen menschlichen Daseins. 

 
 

Die kleinen Philosophen
(4. Auflage 2000 bei Orell Füessli,
leider längst vergriffen)

wurden übersetzt ins Italienische, Koreanische, Estnische und Polnische. Eine tschechische Ausgabe ist 2012 erschienen. 

Die Taschenbuchausgabe bei Herder ist leider auch vergriffen.

 

Weiss mein Kätzchen, dass ich ein Mädchen bin?

Tut es der Blume weh, wenn ich sie abreisse?

Was denkt ein Hund?

Wann ist nie?

Gibt es Engel wirklich?

Warum muss man gehorchen?
 

Wie geht man auf Kinderfragen ein ohne vorschnelle Antworten zu liefern?
Wann ist Philosophieren sinnvoll?
Was sind die Denk-Werkzeuge dazu, welches die Themen?
Wie können einem Kinderbücher dabei helfen?

Mit Beispielen und kleinen Übungen lernen Erziehende philosophische Gespräche anzuleiten und entdecken den Genuss am gemeinsamen Nachdenken und Phantasieren.

Eva Zoller's Erstling (1991) bietet Hilfe und Anleitung zum Philosophieren mit Kindern von drei bis etwa zehn Jahren. Leider ist auch die vierte Auflage dieses Buches inzwischen nur noch antiquarisch auffindbar.

Im ihrem dritten Buch "Selber denken macht schlau" hat Eva Zoller Morf den Ansatz erweitert und mit vielen Beispielen von Gesprächen zu Kinderfragen und Bilderbuchgeschichten ergänzt! 
 

 
 


 

Die Philosophische Reise
(3. Auflage 2006 bei Orell Füessli)
wurde übersetzt ins Koreanische und Tschechische.

Die Taschenbuchausgabe bei Herder ist vergriffen.

Hier geht es um die Lebensreise:
Von Anfängen und Enden, von Schöpfung (bzw. Entstehung) bis Tod ist die Rede, und wie Kinder im Schulalter und teils schon davor über die grossen Fragen der Menschen nachdenken lernen.
Die zentrale Frage aber ist: Wer sind wir und was gibt unserem Leben Sinn?

Das Buch vermittelt die "Techniken" des Philosophierens an Beispielen für Eltern und Lehrpersonen, und es zeigt, wie Kinder diese lustvoll anwenden, um sich eigene, gut begründete Meinungen über die grossen Fragen zu bilden.

Im Teil 3 des dritten Buches von Eva Zoller Morf "Selber denken macht schlau" liegt der Schwerpunkt auf den existenziellen Fragen. Insbesondere das Thema Tod wird für kleinere und grössere Kinder hier bearbeitet.


  
Rezension* von Andreas Siekman zur bebilderten Originalausgabe
ZOLLER MORF, Eva: Philosophische Reise - Unterwegs mit Kindern 
auf der Suche nach Lebensfreude und Sinn*
erschienen in der "Zeitschrift zur Didaktik der Philosophie und Ethik" 3/2000

Eva ZOLLER MORF legt nach ihrem - inzwischen in dritter Auflage gedruckten - Erstling „Die kleinen Philosophen“ ein weiteres Buch vor, das sich an Erwachsene richtet, welche sich dem spannenden Wagnis aussetzen, mit Kindern zu philosophieren. Um es gleich vorweg zu sagen: Mir ist bisher keine Publikation dieses Genres untergekommen, die ähnlich verständlich formuliert, ähnlich sachhaltig verfasst und vom Layout her ähnlich ansprechend und liebevoll gestaltet wäre - kein pädagogischer Zeigefinger, der sich dem Leser knöchern entgegenstreckte, keine Trockenheit des Vortrags“ (HEGEL), keine süßlich ‚kindgerechten‘ Zeichnungen.

Doch zum Einzelnen: In sechs Kapiteln (Einleitung: Philosophieren im Alltag - für den Alltag / 1. Nur ein Stein? / 2. Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt / 3. Mensch sein? Mensch werden! / 4. Was ist, wenn man tot ist? und 5. Der Kreis rundet sich) spannt die Verfasserin ein breites Spektrum an Themen und Methoden auf, wobei man beidem anmerkt, dass sie aus einer intensiven und langjährigen kinderphilosophischen Praxis erwachsen sind. So reichen die Themen von scheinbar einfacher Naturbeobachtung - Untersuchung eines Steines -‚ die wiederum zur quasi­sokratischen Abstraktion dient, bis hin zum Thema des Lebenssinns, auf das die Autorin im letzten Kapitel ebenso undogmatisch wie unprätentiös eingeht. Eingestreut finden sich immer wieder wertvolle methodische Hinweise (z. B. zum Umgang mit Kinderfragen, zum Ablauf eines philosophischen Gesprächs, zur Mäeutik etc.), die klar strukturiert und - wie ich aus eigener Erfahrung im Umgang mit Fünft- und Sechstklässlern bestätigen kann - praxisnah sind.

Ein weiteres wertvolles Hilfsmittel stellen die kommentierten bibliografischen Verweise auf Kinderbücher und Fachliteratur dar: Hier findet man auch dann noch etwas, wenn man sich in der Materie gut auszukennen glaubt, besonders neuere und neueste Titel. Auf fast jeder Seite stößt der Leser auf farbig unterlegte Kästen, in denen in Fettdruck neben Zwischenüberschriften didaktische und fach-wissenschaftliche ‚Kernsätze‘ festgehalten werden. Da ist von der Sache her für den Fachphilosophen natürlich wenig Neues zu finden — schließlich richtet sich das Buch primär an Eltern und Erzieher(innen), die kein Hochschulstudium in Philosophie hinter sich haben -‚ immer aber sind Eva ZOLLER MORFs Formulierungen präzise, gelegentlich zugespitzt bis zum Aphoristischen. Ein paar Beispiele: „Philosophieren über Wörter und unseren Sprachgebrauch vergrößert die Chancen, nicht aneinander vorbeizureden.“ (S. 30) Oder: „Philosophieren heißt, bei einer Frage so lange zu verharren, bis sie uns neue Erkenntnisse preisgibt.“ (S. 12) Oder: „Ein Thema, über das man wirklich philosophiert, entwickelt sich weiter; in Rede und Gegenrede entsteht etwas, wird etwas deutlich, was einem vorher noch nicht so klar war, selbst wenn man es vielleicht unbewusst längst geahnt hatte.“ (5. 20) Gegen Ende des Buches findet sich in einem solchen Kasten der Hinweis, man dürfe beim Philosophieren einen Gedanken „nicht ohne Herz“ (S. 140) weiterspinnen und entwickeln. Genau das ist es, was Eva ZOLLER MORFs Buch prägt und ohne das das Philosophieren mit Kindern nicht möglich wäre, was aber leider (?) nicht erlernbar ist: Liebe zu Kindern, Interesse an ihren philosophischen Problemaufwürfen (die in der Fachwissenschaft oft immer noch als schrecklich uninteressant erachtet werden) und die Bereitschaft, Kinder als Kinder ernst zu nehmen!
 

Das Netzwerk für Praktisches Philosophieren www.philopraxis.ch hat bisher drei Reader veröffentlicht, zu dem jede/r Autori/in jeweils aus der eigenen praktischen Arbeit einen Beitrag beisteuerte.

Der folgende Bericht über "Lebendiges Philosophieren" ist eine Rezension unseres ersten Gemeinschaftswerks von 2005. (in Grün, was die Kinderphilosophie betrifft)

Ihm folgten 2008 "Das OrientierungsLos" - Philosophische Praxis unterwegs, Hartung-Gorre Verlag Konstanz
und 2010 "Methoden philosophischer Praxis" - Ein Handbuch, transcript Verlag Bielefeld.

Mein kinderphilosophischer Beitrag befasst sich im "OrientierungsLos"  natürlich mit der Suche nach Orientierung, d.h. mit Sinnfragen von kleinen Kindern bis zu Jugendlichen sowie unseren Umgang damit als philosophisch orientierte Pädagog/-innen.

Im Methodenbuch beschreibe ich den ethischen Schwerpunkt der Kinderphilosophie, angereichert um das so genannte "Caring Thinking" (einfühlsam fürsorgliches Denken), das den logisch-kreativen Ansatz um emotionale Aspekte erweitern will.

Lebendiges Philosophieren

Gudrun Perko

Detlef Staude (Hg.), Lebendiges Philosophieren. Philosophische Praxis im Alltag, Bielefeld 2005 



Philosophische Praxis ist erst zwei Jahrzehnte alt, so im Vorwort der sehr interessanten und ansprechenden Sammelpublikation. Ausgehend von Gerd B. Achenbach, der im deutschsprachigen Raum diese Weise des miteinander Philosophierens initiierte oder in Anlehnung an Sokrates wiedererweckt hat und ihm eine neue Bedeutung verlieh, sind die Formen dieser Praxis gegenwärtig sehr vielfältig: philosophische Gesprächsgruppen, philosophische Beratung, philosophisches Reisen, philosophische Cafés, philosophische Lehrgänge, philosophische Fotografie etc. Die nun vorliegende Publikation enthält eine Fülle von Ansätzen, Überlegungen und vor allem Darstellungen praktizierter Formen des gemeinsamen Philosophierens. Die einzelnen Beiträge – verständlich und der Sache angemessen zumeist sinnlich formuliert – vermitteln, was und wie von Philosophie außerhalb akademischer Felder gelernt werden kann und inwiefern philosophische Praxis zur Gestaltung des eigenen Lebens beizutragen imstande ist. Im Mittelpunkt steht das Miteinander des Reflektierens, Nachdenkens und Debattierens sowie die Möglichkeit, voneinander zu lernen.
 
 
Gerade der Aspekt des Voneinander-Lernens als Prozess des Miteinanders gibt der philosophischen Praxis einen brisanten Geschmack. Sie zeichnet sich so über das philosophische Staunen, der Muße als Notwendigkeit des Philosophierens und dem Erkenntnisinteresse durch eine Lebendigkeit und Kreativität aus, die nur im Miteinander und aufgrund der Pluralität der Teilnehmenden entstehen kann. In diesem Sinne liegt der eigentliche Erfolg etwa einer philosophischen Reise, in der sich die Teilnehmenden selbst den Weg weisen, im kommunikativen Prozess (Peter Vollbrecht). Den Teilnehmenden kommt der Status des Gastes zu, der ein Recht darauf hat, als solcher behandelt zu werden. Und so eröffnet der Moderator eines philosophischen Cafés seinen Gästen eine einladende Zugangsweise zur Philosophie und gibt den vielfältigen Meinungen Raum: „wer ins Philosophische Café geht, hat die Chance, ein intellektuelles Bad in der Pluralität zu nehmen“ (Peter Vollbrecht). Auch in den philosophischen Gesprächsgruppen wird das Interesse an Erkenntnis (sophia-Aspekt der Philosophie) stets durch den Wunsch nach Austausch, Anregung und nach einem gemeinsamen Gespräch (philos-Aspekt der Philosophie) getragen: „hier braucht es innere Ruhe, Aufmerksamkeit, Offenheit und letztlich (…) Liebe“ (Detlef Staude). Damit korrespondiert der philosophische Lehrgang, insofern hier der Dialog und das gemeinsame Erarbeiten ins Zentrum des gemeinsamen Philosophierens gerückt wird (Detlef Staude).
 
 
Philosophische Praxis richtet sich immer wieder auf bestimmte Zielgruppen. Das Spektrum ist breit gestreut, ihr Charakteristikum aber besteht darin, Fachlaien zu sein und vor allem, Interesse zu haben. Näher beschrieben werden philosophische Seminare mit Menschen, die berufliche Leitungspositionen einnehmen (Richard Egger) oder Philosophieren mit Kindern (Eva Zoller Morf). Zweiteres – in den 1970er Jahren in den USA konzipiert – nimmt innerhalb der philosophischen Praxis zentralen Stellenwert ein. Denn die Neugierde auf das Leben und die gemeinsame Freude am Selberdenken mit und bei Kindern zu schüren, bedeutet ein pädagogisch-politisch-philosophisches Konzept zu verfolgen, das Immanuel Kant für Erwachsene festgehalten hat: „Sapere aude! Wage, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen“ und in diesem Beitrag erweitert formuliert „(…) anstatt Dich auf Autoritäten aller Art zu verlassen“ (Eva Zoller Morf). Diese Intention gilt nicht nur Kindern. Die philosophische Beratung heilt nicht (wie die Psychoanalyse), vielmehr ist sie ein Hineintauchen in das Leben, ist nicht nur theorein (Betrachtung), sondern vita activa (aktives Leben) und zeigt so „(…) Möglichkeiten auf, spornt das Gegenüber zum Selberdenken an; kann Orientierung sein und Entscheidungen in wichtigen Lebensfragen unterstützen“ (Martina Bernasconi).
 
 
Die Inhalte philosophischer Praxis sind mannigfaltig. Lesende erfahren, dass über Konzeptionen von Philosophen und Philosophinnen nachgedacht und geredet wird, Logik und Kommunikation (Bernhard Schneider) den Gegenstand der Auseinandersetzung bilden, das Thema Arbeit im Spannungsfeld von historischen Auffassungen und gegenwärtigen Problematiken (Willi Fillinger) zur Diskussion steht oder der Sinn des Lebens befragt wird (Harry Wolf). Dabei geht es nicht um vorschnelle Antworten, nicht um die eine richtige Antwort, nicht um schulmeisterisches Belehren. Vielmehr ist es der philosophischen Praxis um die Verbindung des Voneinander-Lernens und des Fragens bzw. Befragens zu tun: „auf jeden Fall ist es undenkbar zu philosophieren, ohne von Fragen geleitet zu werden“ (Dominique Zimmermann). Das die Antworten lange Zeit brauchen, vermittelt bereits Friedrich Nietzsche, wenn er schreibt: „Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird einige Jahrhunderte brauchen, um auch nur vollständig und in all ihrer Tiefe hinein gehört (Hvh. G.P.) zu werden“.
 
 
In dem sehr gelungenen Sammelband wird zwar die Wichtigkeit des Ortes erwähnt, wo philosophisches Sprechen und Denken zur Entfaltung kommen kann: Orte, die „(…) mit ihrer Geschichte oder ihrer besonderen Atmosphäre das jeweilige philosophische Thema mit einem genius loci aufladen“ (Peter Vollbrecht). Doch lassen die einzelnen Beiträge keine Zweifel entstehen, dass Philosophieren allerorts möglich ist. Es ist da möglich, wo Menschen Interesse daran haben, gemeinsam nachzudenken, zu reflektieren, selbständig zu denken und sich über das Gedachte auszutauschen. Die Philosophierenden lernen mit anderen für sich und richten ihren Sinn auf die Welt. Und jene, die philosophische Cafés, philosophische Gesprächsrunden oder Seminare moderieren, lassen sich von einer Lebendigkeit leiten, bringen ihre eigene Person, ihr eigenes Leben, ihre Erfahrungen in das Gespräch und zeigen damit, „dass das Leben von philosophisch Praktizierenden exemplarisch für die Verbindung von ‚Erwerbswelt“ und ‚Privatleben’ steht, was die übliche Trennung dieser Bereiche denkwürdig macht“ (Dominique Zimmermann).
 
 
Das Nachdenken darüber, ob es das reguläre Berufsbild des praktischen Philosophen/der praktischen Philosophin geben kann und ob es dafür eine spezifische Ausbildung geben muss (Thomas Gutknecht) zeigt, dass diese Diskussion im Gange ist und lässt erschrecken. Denn es erinnert an den Verlust der Lebendigkeit und Kreativität, die neu entstehende Praxen in ihren Anfängen zumeist bergen. Durch ihre institutionalisierten Regelungen verloren sie diese Lebendigkeit und Kreativität und evozierten eine Einteilung zwischen Menschen: zwischen jenen, die Regeln und Techniken etc. vorgeben und jenen, die sie befolgen müssen, um dem vorgegebenen Berufsbild zu entsprechen. 

 

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