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Vom Umgang mit
"schwierigen" Kinderfragen

 

Wo findet man Hilfe ?

 
 Lesen Sie zum Umgang mit Kinderfragen Eva Zoller Morf " Die kleinen Philosophen ".
Eva Zoller's Erstling (1991) bietet Hilfe und Anleitung zum Philosophieren mit Kindern
von drei bis etwa zehn Jahren.
Leider ist dieses Buches allerdings inzwischen vergriffen.

Das neue Buch von Eva Zoller Morf bietet Ersatz. Es heisst
 
Selber denken macht schlau -
Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen

Anregungen für Schule und Elternhaus
 
Dazu gibt es auch immer wieder
Einführungs-Seminare im Käuzli. Da philosophieren Sie gleich mit !

 
 
 

Auch Eva Zoller Morfs Buch „Philosophische Reise“ gibt eine kürzere Anleitung zum Umgang mit Kinderfragen, vor allem jenen rund um Tod und Sterben, z.B. auf S.31ff :
 
Exkurs: An dieser Stelle möchte ich Ihnen noch ein paar methodische Hinweise zum Umgang mit Kinderfragen geben, die auch im Schulalter glücklicherweise noch anzutreffen sind. Wenn Sie dieses Thema speziell in Bezug auf Vorschulkinder interessiert, verweise ich Sie gerne auf mein bereits erwähntes erstes Buch hin: Die kleinen Philosophen - Vom Umgang mit "schwierigen" Kinderfragen.
 
Wenn ein kleineres Kind (bis vielleicht acht, neun Jahre) die Warum-Frage - zum Beispiel nach den Wörtern - stellt, so kön­nen Sie in den meisten Fällen davon ausgehen, dass eine langatmige, wissenschaftlich vielleicht korrekte Erklärung, wie es wohl dazu gekommen sei, dass man den Stein Stein nennt, am Kind vorbeigeht.
 
Die Erfahrung zeigt, dass kleine Kinder viel eher am Sinn als an der Ursache interessiert sind. Eine Sinn-Antwort wäre: "Der Stein heisst so, damit wir uns verständigen können." 
  
Was geschieht, wenn wir uns nicht an diese sprachlichen Abmachungen halten, wird in Bichsels Geschichte - („Ein Tisch ist ein Tisch“, eher pessimistische Variante) - oder in Braennes Bilderbuch - („Meine Katze ist ein Elch“,optimistische Variante) - ersichtlich, oder es kann mit einem kleinen spielerischen Selbstversuch leicht herausgefunden werden.

Wenn Sie es dagegen mit einer Ursachen-Antwort versuchen (“Man hat ihn halt schon immer so genannt.”), kann es Ihnen passieren, dass das Kind ganz einfach seine Frage wiederholt: "Und warum heisst denn nun der Stein ‘Stein’?" Leicht genervt werden Sie jetzt vielleicht dem Kind vorhalten: "Grad hab' ich es dir erklärt, hast du denn nicht zugehört?" Es stimmt, Sie haben erklärt, aber die Erklärung war leider nicht, was das Kind erwartet oder was es beschäftigt hat!

Zur Illustration dieses Unterschieds von Sinn- und Ursachenantworten auf eine Warumfrage hier eine kleine Geschichte, die einer meiner Elternkursteilnehmerinnen widerfahren ist: Eines Tages stieg sie mit ihrem Dreijährigen die Treppe hinunter, um im Garten Wäsche aufzuhängen. Sie trug das nasse Zeug in einer der üblichen Plastikkörbe nach unten. Da fragte ihr Bub sie plötzlich: "Mama, warum ist dieser Korb aus Plastik?" Gerade wollte sie zu einer Erklärung im Stil "Ja, weisst du, heutzutage ist eben alles aus Plastik" ansetzen, als ihr einfiel, was sie im Kurs gelernt hatte, nämlich den Kindern zuerst eine eigene Antwortchance zu geben, bevor wir mit unseren Erwachsenenweisheiten daherkommen.

Kinder, die auf ihre Fragen immer gleich Antworten bekommen, lernen vor allem eines: Die Grossen wissen sowieso alles (besser), da brauche ich doch gar nicht erst nachzudenken! Das ist ja auch viel bequemer, als sich selber etwas auszudenken oder zu erarbeiten!

"Was denkst du denn, weshalb das so ist," fragte sie jetzt nach bester Kinderphilosophiemanier zurück und erhielt prompt die fixfertige Antwort des Knirpses: "Ist doch klar! Damit er nicht aufweicht!" Das ist natürlich der Sinn des Plastikmaterials, und das war es auch, was ihn eigentlich daran interessiert hatte.

Wenn Kinder später mit Warumfragen zu uns kommen, so etwa ab zehn, elf Jahren, ist es zwar immer noch zweckmässig, sie zu eigenen Antworten zu ermuntern, aber diese werden dann bestimmt häufiger auch Ursachen-Antworten sein. Das Interesse hat sich dann verlagert aufs genaue Wissenwollen, weshalb die Dinge so sind, wie sie sind, auch wie sie gemacht werden oder funktionieren, aber weniger auf die Frage nach dem "Wozu" und “Wofür”. Dieser Wandel ist bei den meisten Menschen festzustellen. Nur schade, dass vor lauter wissbaren Antworten bei einigen mit zunehmendem Alter die höchst wichtigen Wozu-Fragen (man denke nur zum Beispiel an gewisse ethische Probleme) völlig verloren gehen, vielleicht bis auf die verzweifelte letzte:  


Wozu leben wir eigentlich?" Wer nicht von klein an gelernt hat, sich um eigene Sinn-Antworten zu bemühen, wer sich keine Technik des kritischen und kreativen Denkens erworben - und/ oder erhalten - hat, steht oft hilflos vor der grössten aller Lebensfragen da!

 
Die Warum-Fragen unserer Kinder geben uns die schönste Gelegenheit, dieser Krise vorzubeugen!

Vermeiden wir, Kinder dank unserem (vermeintlichen?) Wissensvorsprung mit vorgefertigten Antworten zu überfüttern. Trauen wir ihnen statt dessen zu, dass auf Fragen, die zu stellen sie fähig sind, sie sich meist auch selber (vorläufige) Antworten ausdenken oder ausphantasieren können.

Unsere Hilfe sollte im sokratischen Zurück- und Weiterfragen bestehen oder - falls unsere Meinung wirklich gefragt ist - im zurückhaltenden Aufzeigen, wie wir selbst zu der gestellten Frage stehen. Das Ergebnis solchen Bemühens sind selbstbewusste, mutige Kinder, die sich mit Phantasie und eigenem Nachdenken zu helfen wissen, statt alle Antworten von uns zu erwarten.
 
 
 
PS: Der Käuzli-"Fernkurs" bietet eine Gedankenstütze dazu an, ausdruckbar als pdf.
 
 
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