*
kiphitop
S c h w e i z e r i s c h e   D o k u m e n t a t i o n s s t e l l e   f ü r   K i n d e r -   u n d   A l l t a g s p h i l o s o p h i e 
naviglobalalltag
   
 
     
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
 

Philosophische Gespräche mit
Kindern und Jugendlichen

 

Wie leitet man sie an ?

 
 
  

Am besten lernen und üben Sie solche Gesprächsführung
im Käuzli am jährlichen Einführungskurs.

Weitere Angaben finden Sie in der

Übersicht der (Wochenend)-Seminare im Käuzli
Zum Anmeldeformular für die (Wochenend)-Seminare im Käuzli
  



Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur philosophischen Gesprächsführung anhand von Bilderbüchern
bietet Eva Zoller Morfs drittes Buch zur Kinderphilosophie: Selber denken macht schlau.
Verlag Zytglogge 2010 und 2011 (2. Auflage)

Oder lesen Sie als Kurzversion hierzu das dritte Kapitel aus Eva Zoller Morf " Philosophische Reise". 
(Auszug siehe unten)
 
Die 3. Auflage dieses Buches ist inzwischen ausverkauft.
Da 2010 Eva Zoller Morfs neues Buch erschienen ist, wird es leider keine 4. Auflage der "Philosophischen Reise" geben. 
 

 Oder besuchen Sie ein Einführungs-Seminar im Käuzli
  

 

Auszug aus Eva Zoller Morfs „Philosophische Reise“ S.136

Zum Ablauf des Philosophierens:

Einen ersten kurzen Überblick dazu gibt Ihnen die Einleitung (des Buches „Philosophische Reise“): Der Weg führt vom Staunen über das Nachdenken und Hinterfragen bis zur Erhellung.

Im 1. Kapitel veranschaulicht Ihnen sodann das Beispiel aus dem Kindergarten die entsprechende Praxis, und im 2. Kapitel finden Sie eine ausführlichere Zusammenfassung des Verlaufs einer ganzen Reihe von Lektionen zum Thema Anfänge.

Die einzelnen Schritte:

Wenn der Anlass gegeben ist, brauchen wir zunächst einen geeigneten Einstieg in das gewählte Thema. In der Kinder- und Alltagsphilosophie suchen wir daher zu Beginn womöglich immer nach persönlichen Bezugspunkten wie eigene Erlebnisse oder “Ersatzerfahrungen” von Kinderbuchfiguren, in die sich Kinder hineindenken können. Kapitel 2 bietet erste Ideen zu Einstiegen an. Weitere finden Sie bei jedem neuen praktischen Beispiel. Das Ziel dieses Schrittes ist das Sammeln von Fakten und Meinungenzum vorgeschlagenen Thema, etwa durch ein “Brain- und Heartstorming” wie zum Beispiel beim Wort “Stein” im 1. Kapitel.

Für die eigentliche philosophische Erörterung ist nun eine anregend formulierte Grundfrage das wichtigste:

Worüber wollen Sie denn überhaupt mit den Kindern nachdenken?

Damit Sie die Gesprächsleitung wahrnehmen können, ist es ausserdem sinnvoll, sich passende Unterfragen zu überlegen, die helfen, die Grundfragen zu beleuchten. (Beispiele hierfür ab Kapitel 3 bei jedem neuen Thema.) Ist die Diskussion dann einmal im Gange, wirft die Gesprächsleitung bei Bedarf jeweils eine der Fragen ein, fasst ab und zu ein Zwischenergebnis zusammen, verdeutlicht oder hakt bei allfälligen Ungereimtheiten nach und regt Begründungen und Begriffsklärungen an (siehe Kapitel 3: Ein philosophisches Gespräch leiten). Sie achtet auch darauf, dass die Teilnehmenden einander gut zuhören.

Ist die auf Folgefragen: vorhandene Zeit abgelaufen, folgt die "Ernte" samt Ausblick a

Was haben wir zur aufgeworfenen Grundfrage herausgefunden?

Welche Fragen sind erhellt, welche sind offen geblieben.

(Das ganze 5. Kapitel soll diesen Vorgang exemplarisch darstellen.)

Ein kleines Spiel oder eine zeichnerische Aufgabe rundet bei den Jüngeren das Thema ab, für die Grösseren können ein passender Spruch, ein anregendes Zitat oder eine Abschlussrunde (Gesprächsbewertung, siehe Kapitel 2) den ähnlichen Effekt haben.  



Auszug aus dem 3. Kapitel der „Philosophischen Reise“:

Ein philosophisches Gespräch leiten 

Mit Absicht war ich diesmal am Kapitelanfang etwas ausführlicher. Ich möchte Ihnen nämlich anhand dieses Textes zeigen, wie ein philosophisches Gespräch methodisch ablaufen kann. In der Vorstellung führte ich deshalb einen Dialog mit einigen Erwachsenen, die später mit Kindern über unser Menschsein philosophieren, und dies daher zuerst einmal für sich selber ausprobieren wollten.

An den Anfang stelle ich immer eine klare Grundfrage, die wir uns zur Erörterung vornehmen, hier also:  

Was bedeutet es, Mensch zu sein?

Dazu überlege ich mir ein paar Unterthemen, die zu der Frage gehören dürften, zum Beispiel:

-    Was hat die Frage nach dem Sinn mit dem Menschsein zu tun?

-    Wie ist es dazu gekommen, dass der Mensch so ist, wie er ist?

-    Wie passt, was wir über die Welterschaffung erarbeitet haben, zur Entstehung des Menschen?

Dann erfolgt der Einstieg über eine allgemein verbreitete Erfahrung der Teilnehmenden, um möglichst alle am Thema zu interessieren: Wer hat sich schon einmal die Sinnfrage gestellt?  

Auch hierzu halte ich ein paar Unterfragen bereit:

-    In welcher Situation fragt ihr danach?

-    In welchen Lebensphasen treten Sinnfragen auf?

-    Wie ist das bei Vorschulkindern, wie bei Pubertierenden?

-    Glaubt ihr, dass Tiere sich auch damit herumschlagen? Warum / warum nicht?

Dies ist der Schritt, mit dem Erfahrungen der Teilnehmenden zusammengetragen werden, das Sammeln von “Proviant” für die philosophische Reise.

Da ich das vorgestellte “Gespräch” innerlich ja allein führte, habe ich Ihnen meine eigenen Beiträge zu diesen Fragen aufgeschrieben. Ich stiess dabei auf ein Wortfeld, das mich stutzig machte:

Zwei, Zwei-fel, Ver-zwei-flung.  

Oft kommt es vor, dass ein Wort genauer untersucht werden muss, bevor die eigentliche Frage weiterverfolgt werden kann, hier das Wort “zwei”.  

Die Beschäftigung mit dem Wort brachte die Erkenntnis, dass Ver-zwei-flung mit der Zerrissenheit zu tun hat, wenn man sich nicht entscheiden kann zwischen zwei Möglichkeiten, weil einem der Sinn abhanden gekommen ist. Es wurde auch klar, dass nur der Mensch damit konfrontiert ist. Damit haben wir auf dem Umweg über die Begriffsarbeit eine Teilantwort auf die Hauptfrage (Was bedeutet es, Mensch zu sein?) gefunden.  

Ich mache auf Zwischenergebnisse aufmerksam, und dann nehmen wir den nächsten Schritt in Angriff: Wie kam es wohl zu dieser “condition humaine”?  

Wir beginnen mit Vermutungen darüber, wobei ich bei einem wirklichen Gespräch darauf achte, den Teilnehmenden (beziehungsweise den Kindern) den Vortritt zu lassen. Nur wenn eine Gruppe nicht von selber darauf kommt, weise ich von mir aus zum Beispiel auf vorgängig (wie im zweiten Kapitel) erarbeitete Fakten hin, oder ich rege die Suche danach an.

Meine These lautete nun, dass der ganze Schöpfungsvorgang auf eine sich stets wiederholende Zweiteilung hinausläuft.  

Wir stellen Vermutungen an oder bilden Hypothesen, die dann gemeinsam überprüft werden.  

Die Untersuchung ergab, dass es sich beim Menschen um eine ganz besondere Zweiteilung handelt, die ihn irgendwie innerlich spaltet, und die bei Tieren in dieser Art nicht anzutreffen ist. Das neue Element “Geist” (in sich auch wieder zweigeteilt) eröffnet zwar Freiraum für Entscheidungen, aber es besteht auch die Gefahr des Zerrissen-Werdens. Diese Erkenntnis lässt Verbindungen zur Diskussion über Verzweiflung und Sinn zu, auf die ich als Gesprächsleiterin hinweise, falls die DialogpartnerInnen nicht selber darauf kommen sollten.  

Manchmal bringen uns Aussagen einer Fachperson weiter, wenn wir sie kritisch in unsere Überlegungen mit einbeziehen.  

Ich gab daher die Information der Existenzphilosophie über die Subjekt-Objekt-Spaltung in die “Diskussion”, und durch Sartre erfuhr die bisherige Untersuchung eine Bestätigung bezüglich der Zerrissenheit: Mensch sein heisst, frei entscheiden zu können, ja sogar zu müssen, was nicht selten als Belastung empfunden wird.  

Wieder ist es Zeit für eine Zusammenfassung durch die Gesprächsleitung, welche die Ergebnisse mit der Hauptfrage in Beziehung setzt, um gewonnene Erkenntnisse zu verdeutlichen: Mensch sein bedeutet, sich selbst und sein Leben zu reflektieren und durch bewusstes Entscheiden zu führen.  

Noch einen letzten Schritt gingen wir weiter mit der vertiefenden Frage nach dem Zeitpunkt der Menschwerdung:

Was hat der Sündenfall damit zu tun?

-    Wie unterscheiden sich Adam und Eva vor und nach dem Kosten der Frucht?

-    Gibt es in unserem Leben vergleichbare Situationen? (analoge Erfahrungen)

-    Was könnte die Bedeutung des “Fei­genblattes” sein? (Vermutungen)

-    Wie hängt die Erkenntnis von Gut und Böse mit unserer Sinn-Diskussion zusammen? (eigene Ableitungen)  

 

Mit Hilfe der Hebammenkunst versuche ich in einer realen 

Gesprächssituation, die Deutung des Mythos aus den Teilnehmenden

herauszufragen, anstatt meine eigene in den Vordergrund zu stellen

(es könnten ja vielleicht noch ganz andere Möglichkeiten auftauchen, als

ich sie gefunden habe!).  

 

Den Schlusspunkt setzte ich mit den Folgerungen, die sich aus der Deutung des Mythos ergaben.

Ist es uns somit gelungen, die anfänglich aufgestellte Grundfrage in einigen Aspekten zu erhellen? Was können wir “ernten”, welche “Schnappschüsse” von der Reise mitbringen?

Welche Fragen sind offen geblieben und wo ginge das Gespräch weiter?  
 

PS: Der Käuzli-"Fernkurs" bietet dazu ein pdf an.
 
 
zum Seitenanfang        zurück zur Kapitelübersicht Kinder- und Alltagsphilosophie

 
Impressumblock
Impressum  |  Copyright: Die Texte dieser Website dürfen mit Quellenangabe verwendet werden, die Bilder nicht. | 
Benutzername:
User-Login
Ihr E-Mail